Posted on 09/01/2013 at 18:06

Tänzchen gefällig?

Industriemagazin

Die Kosten in der Rechnerwolke werden auch für Mittelbetriebe immer überschaubarer. Zugleich sinkt der IT-Aufwand dank neuer Standards.
Schon einmal gab es die Revolution. Standardisierung und Arbeitsteilung stellten die betrieblichen Fertigungsprozesse auf den Kopf. Dasselbe passiert jetzt in der IT durch Adaption dieser Konzepte: Gerade bei der Automatisierung des Rechenzentrums wurden in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt. „Die Bereitstellung eines virtuellen Servers nimmt heute fünf Minuten in Anspruch“, rechnet Rainer Kalkbrener, Vorstandsvorsitzender der ACP, vor. Analog dazu ist aber auch das Wissen, das benötigt wird, um ein Rechenzentrum zu betreiben, deutlich angewachsen. Das stellt Unternehmen vor die Frage, ob sie ihre IT weiterhin im Haus betreiben oder sie zu einem Spezialisten auslagern wollen. Kalkbrener hält die Entwicklung aus Sicht der KMU für vorteilhaft: „Der Zugang zu bestimmten Technologien war früher nur den großen Unternehmen vorbehalten. Heute spielt die Größe keine Rolle mehr.“ Es herrscht sozusagen Waffengleichheit. Kalkbrener rechnet deshalb damit, dass bis 2020 rund die Hälfte aller Kunden Managed Services in Anspruch nehmen werden.

Weniger Beinarbeit.
Vom technologischen Wandel war zunächst die Rechenzentrumsinfrastruktur betroffen. Mit dem neuen Standard Open-Flow kann nun auch das Netzwerk zentral administriert und provisioniert werden. „Die Intelligenz des Netzwerks wandert damit von den einzelnen Komponenten in eine zentrale Konsole“, erklärt Thomas Blaschka, Kapsch BusinessCom. In der Praxis heißt das: Die Netzwerktechniker müssen nun nicht mehr jeden einzelnen Switch vor Ort konfigurieren. Und auch das bedeutet eine enorme Beschleunigung. Die Kapsch Business-Com hatte bislang für das Ausrollen von zehn neuen Servern im eigenen Netzwerk ganze sechs Tage veranschlagt, heute ist es weniger als ein halber. Unter Berücksichtigung der üblichen Hardwarelebenszyklen geht Blaschka davon aus, dass bis 2015 etwa 60 Prozent aller Netzwerke OpenFlow unterstützen werden. Das heißt aber auch, dass ein Umdenken in der IT einsetzen muss: „Bislang haben wir zumindest in
größeren Unternehmen zwei Technikertruppen, die eine ist für Server und Storage zuständig, die andere für das Netzwerk. Die werden in Zukunft als ein Team zusammenarbeiten.“ Magisches Dreieck. Ebenso revolutionäre Umwälzungen werden von M2M erwartet. Ganz neu ist ja das Thema nicht, den automatisierten Informationsaustausch zwischen Maschinen gibt es schon seit mehr als fünfzehn Jahren, damals aber noch über das Festnetz. „Die Technologie steht nun vor ihrem Durchbruch“, ist Alexander Decker, T-Systems, überzeugt, „dafür spricht nicht nur der Kostenfaktor, also der Mobilfunk, sondern das magische Dreieck von Cloud Computing, Big Data und Machine to Machine.“ Am längsten ist M2M in der Logistikbranche im Einsatz. Im Hamburger Hafen werden Frächter schon während der Zufahrt von einem intelligenten System in Empfang genommen. Anhand von Echtzeitverkehrsdaten wird die Ankunftszeit berechnet und es werden den LKW automatisch Ladeterminals oder Wartestellen zugewiesen. Das soll für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Einer der Anwendungsfälle, in denen das magische Dreieck seine Wirkung entfalten wird, ist die Wartung: „Vorausschauende Wartung bezieht einerseits die Wartungshistorie einer Anlage mit ein, andererseits kommen Echtzeitdaten hinzu.“ Dabei handelt es sich nicht nur um Fehlermeldungen. Manchmal erkennt man Anomalien schon vor einem Ausfall, bei einer Rolltreppe etwa mit einem Akustiksensor.

Netzbasierte Intelligenz.
Eine andere Form netzbasierter Intelligenz vertreibt der Telefoniedienstleister atms. „Mittlerweile kann man komplexe Organisationsstrukturen im Netz abbilden, anstatt teure Hardware anzuschaffen“, sagt Geschäftsführer Markus Buchner. Ein Beispiel von vielen ist das Callcenter aus dem Netz. Da brauchte man früher eine Telefonanlage und einen Anrufverteilserver – und die Mitarbeiter waren standortgebunden. Heute können sich die Agents von zuhause in das System einwählen und finden eine Arbeitssituation wie in einem klassischen Callcenter vor, also inklusive einer softwaregestützten Nachbearbeitung von Anrufen oder einem Zeitmanagement.
Ein anderes Beispiel für die Intelligenz aus dem Netz ist die Auslagerung der Kundendatenvalidierung. Speziell für Unternehmen, die im Outbound tätig sind, sind fehlerhafte Nummern oder stillgelegte Handys ein echter Produktivitätshemmer. Über eine verschlüsselte Verbindung übernimmt atms die Telefondaten, überprüft sie während der Nacht und übergibt sie wieder in bereinigter Form. So erspart man sich viel Zeit und Mühe beim Durchrufen seiner Kunden.

Auch der Onlinehandel befindet sich in einer Umbruchphase. War es früher der Stand-PC, auf dem man seine Einkäufe im Internet erledigte, kommen die Kunden nun auf den verschiedensten Kanälen zum Händler, über Tablets und Smartphones aller Betriebssysteme. Das ist eine Chance für die Händler, da durch die Nutzung mobiler Endgeräte die Wahrscheinlichkeit von spontanen Käufen zunimmt. „Aber dafür müssen sie auch gerüstet sein“, sagt Roland Toch, Geschäftsführer der Wirecard CEE, „der Shop und speziell die Bezahlseite müssen mit den unterschiedlichen Betriebssystemen umgehen können, die optische Darstellung und die Bedienbarkeit müssen optimal sein.“ Ist das nicht der Fall, reagieren die Konsumenten oft verunsichert und Kaufabbrüche sind die Folge. Zwar belegen die Zahlen der Wirecard CEE eindeutig, dass iPhone-Besitzer die kaufkräftigsten beziehungsweise kauffreudigsten Internetshopper sind, aber trotzdem rät Toch, andere Betriebssysteme nicht links liegen zu lassen: „Gerade bei Android-Handys nehmen wir einen Zuwachs wahr, aber trotzdem: Jeder Smartphonebesitzer ist ein potentieller Kunde. Entscheidend ist, die gesamte Zielgruppe zu erreichen.“

Pressemeldung downloaden